Nach anderthalb Jahren Vorbereitung und einer umfassenden, unabhängigen Prüfung trägt Schloss Leopoldskron seit diesem Jahr das Österreichische Umweltzeichen — die staatliche Bestätigung, dass sich ein 300 Jahre altes Baudenkmal und zeitgemäße ökologische Verantwortung nicht ausschließen, sondern gegenseitig tragen.
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Das Österreichische Umweltzeichen
Das Österreichische Umweltzeichen wird vom Klimaschutzministerium vergeben und ist bis heute eines der wenigen Gütesiegel, die als staatliche Verbandsmarke geführt werden.
Der entscheidende Unterschied zu vielen anderen Labels: Zertifiziert wird nicht ein einzelnes Produkt oder eine einzelne Maßnahme, sondern der gesamte Betrieb — von Energie- und Wasserverbrauch über Abfall, Beschaffung und Mobilität bis zur baulichen Substanz. Ein umfangreicher, extern erarbeiteter Kriterienkatalog wird von unabhängigen Prüfern vor Ort kontrolliert, bevor das Zeichen verliehen wird. Es gilt vier Jahre — danach folgt die nächste Prüfung.
Für unsere Gäste, Fellows, Programmpartner und die Institutionen, die bei uns tagen, ersetzt das eine eigene Behauptung durch eine geprüfte Tatsache. Und für uns selbst ist es ein Rahmen, der uns verpflichtet, Nachhaltigkeit nicht als Einzelaktion, sondern als fortlaufenden betrieblichen Standard zu führen.
Nachhaltigkeit in einem Baudenkmal, das kein Museum ist
Das denkmalgeschützte Schloss Leopoldskron ist kein stilles Museum, sondern ein Haus in täglichem Betrieb: seit 1947 als Sitz von Salzburg Global Seminar und seit 2014 zugleich als Hotel. Genau darin liegt die eigentliche Herausforderung der Zertifizierung.
Viele Standardkriterien des Umweltzeichens gehen von Möglichkeiten aus, die nur ein modernes Gebäude bietet: Fenster austauschen, Fassaden vollflächig dämmen, Heiztechnik grenzwertkonform erneuern. An Stuckdecken, Fresken und historischer Bausubstanz lassen sich solche Standardlösungen nicht einfach anwenden — die Richtlinie selbst erkennt das an und sieht vor, Kriterien auszunehmen, die aus Denkmalschutzgründen nachweislich nicht erfüllbar sind.
Ein Gedanke hat sich im Zertifizierungsprozess dabei immer wieder bestätigt: Ein knapp 300 Jahre altes Haus zu erhalten, zu pflegen und weiter zu nutzen ist eine der wirksamsten Formen von Ressourcenschonung — Konservierung als ursprünglichste Form der Nachhaltigkeit.
Maßnahmen
Was mit einzelnen Maßnahmen im laufenden Betrieb begann, ist von unserer internen Sustainability Task Force zu einem konkreten Action Plan gewachsen, der mit großem Engagement und umfassendem Fachwissen (u.a. durch externe Berater) vorangetrieben und erstmals in einem geprüften, verbindlichen Rahmen zusammengeführt wurde — sichtbar für jeden, der das Haus betritt, und verpflichtend für jeden Tag danach.
Jede Maßnahme, die wir in die Praxis umsetzen, zeigt, dass historisches Erbe und ökologische Verantwortung sich nicht gegenseitig ausschließen, sondern von gegenseitigem Nutzen sein können.
Infrastrukturmaßnahmen (u.a.):
Umstellung der Heizung im Meierhof und Schloss von Öl/Gas auf Fernwärme
Einbau einer Photovoltaikanlage (Gesamtleistung 2025: 7.96MWh) sowie zwei Wärmepumpen
Ausbau der Ladeinfrastruktur für E-Autos (5 Ladepunkte), E-Fahrräder und E-Roller (10 Ladepunkte)
Schaffung von zwei neuen Gartenbereichen mit bienen- und insektenfreundlichen heimischen Stauden sowie 12 Obstbäumen
Aufforstung und jährliche Nachpflanzungen von Bäumen im Schlosspark
Operative Maßnahmen (u.a.):
Überarbeitung der Gästekommunikation mit starkem Fokus auf verantwortungsvollen Umgang mit Energie, Wasser und Ressourcen
Fokus auf Paperless Office
Neustrukturierung Abfallmanagement mit Fokus auf Mülltrennung und -vermeidung.
Einführung von nachfüllbaren Pflegeprodukten in Zimmern und Suiten, teils in Bioqualität
Einführung von nachhaltigen Beschaffungsprozessen
Fokus der Schlossküche auf noch mehr auf regionale und saisonale Bioprodukte (Bioanteil: 30%) sowie vegetarische und vegane Gerichte gelegt
Honig im Schloss zu 100% aus eigener Produktion im Schlosspark
Eine Bewahrungsgeschichte, die weitergeschrieben wird
Von Max Reinhardts jahrzehntelanger Restaurierung über die systematische Objektkonservierung bis zum heutigen Conservation Masterplan: Erhaltung war auf Schloss Leopoldskron immer ein langfristiges Projekt über Generationen. Das Österreichische Umweltzeichen bündelt diese Tradition erstmals in einem formalen, extern geprüften Rahmen — Substanzerhalt und Ressourcenschonung als eine gemeinsame Aufgabe.